Sascha Lobo in Lu: Bei den Kreativen abgucken – wie Unternehmen im digitalen Ozean schwimmen lernen

Tesla hat es ihm angetan. Gleich mehrfach zitiert Sascha Lobo Beispiele aus dem Automobil- und Energiekonzern, mittlerweile eine ökonomische Plattform. „So geht Digitalisierung. Ideen umsetzen statt sie in der Schublade zu haben“.

Ludwigshafen, Innovationszentrum Freischwimmer. Luft: 40 Grad. Vortrag: 40 Minuten. Wasser: unbeschwimmbar. Im ehemaligen Hallenbad-Nord steht er neben dem Wasser-Rückhaltebecken. Schwarzer Anzug, roter Irokesenschnitt, Sascha Lobo. In die ungewöhnliche Location hatte die WirtschaftsEntwicklungsGesellschaft W.E.G. Ludwigshafen sowie der Verein Kreative Pfalz eingeladen, als Begleitprogramm zum Ersten Digitalgipfel. Hausherr Dr. Thomas Grommes (GML Abfallwirtschaft), Klaus Dillinger (W.E.G.), Ralf Herrmann (Kreative Pfalz) und der Moderator Sebastian Dresel begrüßen 199 Kreative, Wirtschafts- und Verbandsleute auf den Rängen.

„Scheitert, scheitert euch voran“. Lobo, Berliner Blogger, Journalist und Digital-Vorreiter animiert Rhein-Neckar. „Wer die Zukunft nicht genau abschätzen kann, so wie es aktuell mit der Digitalisierung der Fall ist, muss Risiken eingehen. Die lassen sich oft nicht berechnen. Es ist, wie mit geschlossenen Augen in einen dunklen Raum zu gehen. Kreative haben das schon immer gemacht. Sie haben mehr Gespür für das Publikum, tasten sich stärker vor als die traditionelle Wirtschaft, kennen die Feedback-Kultur vom Kunden“, bauchpinselt Lobo die Kreativwirtschaft. Das sollen sich Mittelstand und Großunternehmen abschauen. Sie unterschätzen die Wirkmacht der Digitalisierung, die Experimentierfreude und Mut belohnt: „Beta-Version statt Perfektion.“ Fehlerkultur statt Kontrolle. Die deutsche Wirtschaft hält sich noch am Spaltmaß fest und erklärt die Schadstoffverringerung beim Dieselmotor zur Innovation – statt ihn als echte Innovation zu ersetzen. Währenddessen überholen ökonomische Plattformen wie Tesla, Google und Uber traditionelle Marken mit Geschäftsmodellen, die direkt auf den Kunden aufprallen. „Unternehmen müssen das Interface zum Kunden ganz nach vorn stellen.“

Lobo nennt Zusammenhänge: Menschen nutzen seit letzten Jahr mobiles Internet stärker als stationäres. In Großbritannien nutzt jeder durchschnittlich 212 Mal täglich das Smartphone. In Deutschland sind 35 Prozent bei Facebook aktiv. Im Vergleich der Industrieländer hinken wir den USA, Norwegen und Island (72 Prozent) hinterher. Augenzwinkernd wirft Lobo noch einmal den Begriff „Neuland“ in den Raum. Alles geht schnell, wird „social“ und „super mobile“, auch in der Wirtschaft.

Digitalisierung ist exponentieller Fortschritt: Digitale Technologien haben die Einstellung und das Verhalten der Menschen geändert. In den sozialen Medien sind sie sekundenschnelle Reaktion und Kommunikation gewöhnt, wollen nun auch schnelle Transaktion. „Eine Überweisung, die übers Wochenende vier Tage dauert, passt nicht zusammen mit der digitalen Ungeduld“. Lobo verweist auf „Snapcash“, dem Angebot der Fotoapp Snapchat, blitzschnell Geld für seine Nutzer zu überweisen. Datenströme generieren, Geschäftsmodelle daraus entwickeln. Dank Sensorenflut und Datenbegeisterung enden Datenströme nie. Sie haben die Macht, ganze Wirtschaftsbereiche zu verändern. Jede wirtschaftliche Regung hat heute einen sozialen Aspekt, Nutzer wollen sich austauschen, auch in B2B. Datenströme müssen fließen. Wie die Schorle in der Pfalz, mit der sich Sascha Lobo nach der Veranstaltung abkühlt und mit den Zuhörern weiter diskutiert.

Text von unserem Mitglied: Katja Edelmann, www.katja-edelmann.de